„Wie soll man Ungreifbares greifbar machen? Wie soll man das noch nicht Bestehende in feste Form bringen? Trost ist der sichere Glaube an die Unrealität des Lebens, hinter dem vielleicht die echte Wahrheit liegt. Immer wieder aufs Neue Leben und Sterben – bis wir angekommen sind, wo es keine Erfahrung mehr gibt – nur noch absolutes Wissen ... Es wird natürlich sehr schwer für uns werden …“
Max Beckmann, Amsterdam – 19. September 1939 Der WegEs ging darum, dieses Bild zu verstehen, diesen Menschen dahinter. Kandinsky. Aber es ist nicht mit dem Kopf zu erfassen. Farben hören? Der Versuch, es zu kopieren, scheiterte – doch blieb das Geschenk, viel gelernt zu haben. Womöglich waren es die Höhen und Täler, die Natur, die das Außen gestalteten – oder dieser stahlblaue Himmel an den Kirchenfeiertagen im Sommer. Gar der Dampf, der emporstieg aus dem Bach in den bitterkalten, aber klaren Nächten. Wer weiß, ob es nicht auch die Leb- und Lieblosigkeit in der äußeren Wirklichkeit war, die den Suchauftrag erteilte.
Irgendwas hat diese Erkundung nach mehr imitiert. Ein Begriff, der es exakt beschreibt, ist nicht auffindbar. Was es war und ist – eine Suche, Erkundung, eine Fahndung, ein Nachgehen – ein Versuch des Aufspürens.
Dann ruhte alles – über viele Jahre. Im Keller vergessen: kleine Werkzeuge des Ausdrucks und Zeigens.
In den Jahren dazwischen kam das Geschenk dieser überraschenden Perspektive, eine Handlungsoption, die zu einem unerwarteten Berufsweg führte, der jetzt vielleicht sein Ende findet.
Und dann – dann kam der Tag, als ein Pinsel, der eigentlich gereinigt werden soll von zu viel Überflüssigem, das Konterfei eines Menschen auf dem Papier umriss. Dann setzte sich die Reise fort, in Schüben, immer wiederkehrend. Begleitet von Zweifeln und Widersprüchen, die immerfort klein gehalten werden mussten, sich aufbäumenden Fragen nach Sinn, Relevanz und Zulässigkeit, nach Daseinsberechtigung und Rechtmäßigkeit.
Auf verschlungenen Wegen – aus Impulsen, aus Gedanken, Empfindungen – auch leidvollem Weh. Immer in sich getragen diese Suche und der Versuch, wirklich zu sehen …
So kommt man nicht umhin, den Mann zu zitieren, der heute noch diese Faszination ausübt – Max Beckmann:
„Gestaltung ist Erlösung …!“ (Freitag, 2. Mai 1941)
Und was noch alles kommen möge …
Uwe Mühlhäußer lebt und arbeitet in Nürnberg. Seit 2000 ist er hauptberuflich als Fotograf tätig. www.uwe-muehlhaeusser.de